Raumakustik im Aufnahmeraum

Ein Tonstudio besteht in der Regel mindestens aus einer Regie und einem Aufnahmeraum. Die Tonstudio Regie besprechen wir an anderer Stelle, hier geht es jetzt um die Raumakustik im Aufnahmeraum.

Wie bereits gesagt, reichen zum Erzielen jeder Art von raumakustischer Verbesserung folgende drei Elemente: Bassfalle (zum Absorbieren der tiefen Schallwellen), Breitband Absorber (zum breitbandigen Absorbieren aller anderen Frequenzen), Diffusor (zum Streuen und Auffächern von Schall).


Verhältnis Diffusion und Absorption

Wie soll der Raum schwerpunktmäßig genutzt werden? Sollen eher akustische Instrumente oder eher Gesang/Sprache aufgezeichnet werden? Je nachdem empfiehlt sich eine etwas andere akustische Ausstaffierung.

Die Möglichkeiten: entweder mehr Diffusion anhand vieler Browne Diffusoren, oder mehr Absorption anhand von Browne Breitband Absorbern.


Video Raumakustik im Aufnahmeraum


Raumakustik im Aufnahmeraum für akustische Instrumente

Ersteres (mehr Diffusion) empfiehlt sich z.B. für die Aufnahme von akustischen Instrumenten.

Eine akustische Gitarre in einem akustisch toten (zu trockenen) Raum, wird klanglich keinen großen Impact haben. Die Gitarre braucht einen Raum, der sie trägt.

Ähnlich verhält es sich im Grunde bei fast allen akustischen Instrumenten, seien es nun Schlagzeug, Bläser, Streicher oder der Flügel.

Hier wollen wir also nicht ganz soviel Schall absorbieren, sondern den vorhandenen Schall bzw. den vorhandenen Raumhall klanglich schön angenehm und voll wirken lassen. Wir wollen den Klang des Nachhalls eher designen, als ihn zu minimieren.

Das tun wir eben mit dem Browne Diffusor. Dieser bearbeitet Schallwellen in einem extra breiten Frequenzspektrum, bedingt durch die starke Bautiefe von 14,7cm sowie der generellen Bauform. Auftreffende Schallwellen werden nicht mehr eiskalt im rechten Winkel zurückgeworfen, sondern breitflächig im Raum verteilt, der Hall klingt nicht mehr so hart, Flatterechos verschwinden, es klingt warm, angenehm, voll, lebendig.


Bassfallen immer!

Was immer gesetzt ist, sind Bassfallen! Die gehören in jeden guten Aufnahmeraum, unabhängig von der genauen Verwendung.

Denn selbst wenn man sagt, bei einem bestimmten Signal, etwa der akustischen Gitarre, sollte nicht soviel Schall absorbiert werden, weil sie sonst dünn und leblos klingt, so gilt das jedoch nicht für den Bassbereich! Tieffrequenter Hall klingt nie gut! Den können Sie immer getrost anhand von Bassfallen auf das möglichste Maß reduzieren.

Hierzu platzieren Sie eine, besser zwei (aufeinander gestapelt), Browne Bassfallen in jeder Raumecke. Diese wirken gezielt auf das tiefe Frequenzspektrum und bereinigen den Raumklang von Wummern, Dröhnen und lästigen Raumresonanzen!


Raumskizze Aufnahmeraum akustische Instrumente

Wie kann das Ganze jetzt in der Praxis aussehen? Die Skizze gibt ein Beispiel.

Aufnahmeraum-akustische-Instrumente-Raum-Skizze

Wie gesagt, die Bassfallen in den Ecken sind immer gesetzt. Das ist also Schritt 1! Die Abbildung zeigt das Optimum mit zwei Bassfallen in jeder Raumecke aufeinander gestapelt. Wer, aufgrund geringeren Platzes oder Budgets, nur vier Bassfallen aufstellen möchte, kann entweder eine pro Raumecke aufstellen oder zwei der Raumecken mit jeweils zwei Bassfallen (wiederum aufeinander gestapelt) ausstatten. In dem Raum sollen vorwiegend akustische Instrumente aufgenommen werden, weswegen der Schwerpunkt dann im Weiteren eher auf Diffusoren liegt. Alle vier Wände sind mit solchen ausgestattet, was einen nachhaltigen Effekt liefern wird, der Raum wird voller, lebendiger und sogar größer klingen. Die Browne Breitband Absorber an der Decke sorgen für das nötige Mindestmaß an Absorption, damit der Raumanteil doch nicht zu sehr ausufert. Etwas Absorption ist im Grunde immer zu empfehlen. Die Diffusoren und Browne Breitband Absorber sind an einfachen Wandhaken angebracht. Naturgemäß können Sie sie somit auch abhängen oder miteinander vertauschen, bei Bedarf.

Wichtig ist, dass die Module gleichmäßig im Raum verteilt werden, während die Aufnahme dann eher mittig im Raum stattfindet (möglichst weit weg von den Schall reflektierenden Flächen, sprich den Wänden). Je größer der Raum, desto mehr Akustikmodule werden benötigt.


Raumakustik im Aufnahmeraum für Gesang und Sprache

Alles, was wir oral von uns geben, soll in der Regel trocken aufgenommen werden, egal ob Gesang, Rap, Sprache. Dies gewährt die benötigte Präsenz und maximale Verständlichkeit. Benötigte Hallfahnen werden nachträglich mittels Effekt in der Musikproduktionssoftware beigefügt, das klingt in dem Fall besser als der Raumhall und Sie sind vor allem deutlich flexibler.

Das Problem an einer Gesangs-Aufnahme, die in einem halligen Raum entstanden ist, ist jenes, dass Sie den Hall nie wieder von der Stimme isoliert bekommen. Wenn Sie jetzt noch Effekte, wie etwa Kompressoren, verwenden, wird der Hall sogar noch deutlicher zu hören sein und stört noch mehr.

Das, was man allgemein hin dagegen eine professionelle Gesangsaufnahme nennt, ist stets eine, die in einem möglichst trockenen Raum stattgefunden hat, sprich nur trockene Gesangsaufnahmen können professionell klingen. Das klingt einfach, ist aber Fakt. Ein gutes, teures Mikrofon nimmt den suboptimalen Raum, sprich den Nachhall, nur noch besser auf. Die Raumakustik ist ein immer präsentes Glied in der Aufnahmekette, das, für gute Ergebnisse, auf jeden Fall optimiert sein muss.

Die Raumakustik im Aufnahmeraum sollte sich demgemäß dadurch auszeichnen, dass sie trocken ist, sprich mehr Absorption als Diffusion!


Raumskizze Aufnahmeraum für Gesang und Sprache

Raumakustik im Aufnahmeraum Gesang

Die Bassfallen sind wiederum gesetzt. Ansonsten liegt der Schwerpunkt auf Absorption, je größer der Raum, desto mehr Breitband Absorber werden benötigt. In Aufnahmeräumen für Gesang, Rap, Sprache können durchaus bis zu ca. 50% der Wand-/Deckenflächen mit Absorbern bestückt werden, wobei eventuelle andere Schall schluckende Objekte mit eingerechnet werden sollten (Couch, Vorhänge, Sitzpolster etc.), da diese auch eine absorbierende Wirkung haben. Ein paar Diffusoren können den Gesamtklang noch zusätzlich aufwerten.


Flexibler Aufnahmeraum

Wer sowohl akustische Instrumente als auch Stimmen aufnehmen möchte, der fährt am besten mit einer kombinierten Raumakustik, die sowohl Schall streuende als auch Schall absorbierende Elemente enthält, wobei der Fokus aber eher auf Absorption liegen sollte.

Letzten Endes sind Sie mit einem “etwas zu trockenem” Aufnahmeraum nämlich flexibler als mit einem zu stark hallenden. Warum? Haben wir im Grunde schon gesagt: Hall, der mit aufgenommen wurde, lässt sich niemals wieder entfernen aus der Aufnahme. Was jedoch immer geht, ist einem zu trockenen Aufnahmesignal etwas künstlichen Hall aus der DAW hinzuzufügen.

Raumakustik im Aufnahmeraum

Abbildung zeigt eine Mixform der beiden obigen Beispiele. Wie auch schon geschrieben, sind die Browne Diffusoren und Browne Breitband Absorber an einfachen Wandhaken angebracht, weswegen Sie sie naturgemäß auch abhängen oder austauschen können, sprich Sie wollen bspw. eine Stimme aufnehmen: hängen Sie einfach ein paar Diffusoren ab und dafür Absorber auf, etc. Generell fahren Sie, wie gesagt, mit einer Raumakustik, die eher auf Absorption setzt, am flexibelsten.

Ob die Absorber und Diffusoren abwechselnd nebeneinander angebracht werden oder auch übereinander, etc., spielt keine entscheidende Rolle, wichtig ist die Gleichmäßigkeit/Symmetrie.


Gesangskabine?

Eine Gesangskabine ist ein sehr kleiner Raum, wo hauptsächlich (oder ausschließlich) Gesang/Rap/Sprache aufgenommen werden soll. Über das Thema sprechen wir an anderer Stelle, inklusive entsprechender Skizze wiederum.


Empfehlung

Ich hoffe, Sie haben sich auch unser zugehöriges Video zum Thema Raumakustik im Aufnahmeraum oben angesehen!

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